Gürtelrose Impfung bei Senioren: Das empfiehlt die STIKO
In Deutschland gehört die Gürtelrose-Impfung für alle Menschen ab 60 Jahren zu den Standardimpfungen. Verwendet wird ein rekombinanter, adjuvantierter Totimpfstoff. Die vollständige Serie besteht aus zwei Dosen. (RKI, Epidemiologisches Bulletin 45/2025).
Die Empfehlung gilt auch dann, wenn keine chronische Erkrankung bekannt ist. Eine obere Altersgrenze nennt die STIKO nicht.
Standardimpfung ab 60 Jahren
Ab dem 60. Geburtstag ist kein zusätzlicher Risikonachweis nötig. Der Grund liegt im mit dem Alter steigenden Erkrankungs- und Komplikationsrisiko. Eine Impfentscheidung kann trotzdem persönliche Fragen umfassen, etwa frühere Reaktionen, aktuelle Erkrankungen oder eine geplante immunsuppressive Behandlung.
Wer mit 60 noch nicht geimpft wurde, kann die Serie später beginnen. Sie ist nicht auf ein enges Zeitfenster rund um den Geburtstag beschränkt.
Indikationsimpfung ab 18 Jahren
Seit der STIKO-Anpassung von 2025 wird der Totimpfstoff bereits ab 18 Jahren empfohlen, wenn eine Immundefizienz oder eine schwere Ausprägung bestimmter chronischer Erkrankungen das Risiko erhöht. Dazu zählen unter anderem immunsuppressive Therapien, Organ- oder Stammzelltransplantation, HIV, rheumatoide Arthritis, Lupus, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, COPD, Asthma, chronische Niereninsuffizienz und Diabetes.
Für 18- bis 59-Jährige reicht eine leichte, unkomplizierte oder medikamentös gut kontrollierte Form einer chronischen Erkrankung nicht automatisch aus. Die genaue Indikation hängt von Schweregrad und Behandlung ab. Der G-BA hat die erweiterte Empfehlung zum 13. Februar 2026 in die Schutzimpfungs-Richtlinie übernommen. (G-BA, 2026).

Warum das Risiko im Alter steigt
Gürtelrose ist keine neue Ansteckung von außen. Nach Windpocken bleiben Varizella-Zoster-Viren in Nervenknoten und können Jahre später wieder aktiv werden. Mit nachlassender zellulärer Immunabwehr steigt die Wahrscheinlichkeit dieser Reaktivierung.
Die Erkrankung beginnt oft mit Brennen, Überempfindlichkeit oder Schmerzen. Danach erscheinen meist einseitig gruppierte Bläschen in einem begrenzten Hautareal. Im Gesicht, am Auge oder Ohr kann der Verlauf besonders folgenreich sein.
Das Varizella-Zoster-Virus bleibt im Körper
Fast alle in Deutschland aufgewachsenen Erwachsenen über 50 hatten Kontakt mit Windpocken. Das Virus wird vom Immunsystem kontrolliert, aber nicht vollständig aus dem Körper entfernt. Alter, Immunsuppression und bestimmte schwere Grunderkrankungen erleichtern seine erneute Aktivierung.
Die Impfung behandelt keine bestehende Gürtelrose. Sie soll künftige Erkrankungen und ihre Folgen verhindern.
Postherpetische Neuralgie
Bei 12 bis 20 Prozent der Erkrankten bleiben nach dem Abheilen des Ausschlags Nervenschmerzen zurück. Sie können Monate oder Jahre dauern. Das Risiko einer solchen postherpetischen Neuralgie steigt mit dem Alter. (infektionsschutz.de, Stand März 2026).
Weitere Komplikationen betreffen je nach Nervenregion Auge, Ohr oder Gehirn. Eine Impfung senkt sowohl die Zahl der Zoster-Erkrankungen als auch das Risiko anhaltender Nervenschmerzen.
Welcher Gürtelrose-Impfstoff verwendet wird
Die STIKO empfiehlt den adjuvantierten Herpes-Zoster-Subunit-Totimpfstoff. In Deutschland wird dafür Shingrix verwendet. Der frühere Lebendimpfstoff ist nicht Teil der Standardempfehlung; auf ihn besteht nach der Schutzimpfungs-Richtlinie kein Leistungsanspruch.
Rekombinanter Totimpfstoff mit Wirkverstärker
Der Impfstoff enthält kein vermehrungsfähiges Varizella-Zoster-Virus. Er kombiniert das gentechnisch hergestellte Oberflächenprotein gE mit dem Wirkverstärker AS01B. Das Immunsystem soll dadurch eine kräftige Antikörper- und T-Zell-Antwort aufbauen.
Eine Gürtelrose kann durch diese Impfung nicht ausgelöst werden. Der Totimpfstoff ist auch für viele immungeschwächte Menschen geeignet, wobei Zeitpunkt und erwartbare Wirksamkeit mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
Wirksamkeit und Schutzdauer
In den Zulassungsstudien verhinderte die zweifache Impfung bei Menschen ab 50 etwa 92 Prozent der Gürtelrose-Fälle und 82 Prozent der postherpetischen Neuralgien. Bei über 70-Jährigen lag der Schutz vor Gürtelrose noch bei rund 90 Prozent. (infektionsschutz.de, 2026).
Kein Impfstoff schützt jede Person. Beobachtungsdaten bei immungesunden Erwachsenen zeigen jedoch eine gute Wirksamkeit über mindestens zehn Jahre nach der vollständigen Serie. Für stark immungeschwächte Gruppen kann der Schutz niedriger ausfallen.

Gürtelrose-Impfung: Abstand zwischen den Dosen
Für einen vollständigen Schutz sind zwei intramuskuläre Impfungen nötig. Eine einzelne Dosis gilt nicht als abgeschlossene Serie, auch wenn zwischenzeitlich eine deutliche Impfreaktion aufgetreten ist.
Zwei Termine im Abstand von 2 bis 6 Monaten
Im Regelfall folgt die zweite Dosis mindestens zwei und höchstens sechs Monate nach der ersten. Bei krankheits- oder therapiebedingter Immundefizienz kann ein verkürzter Abstand von ein bis zwei Monaten sinnvoll sein. Das wird vorab ärztlich geplant. (STIKO, 2025).
Der Termin für Dosis zwei lässt sich am besten gleich bei der ersten Impfung festlegen. Impfstoffname und Chargennummer gehören in den Impfpass.
Wenn die zweite Dosis verspätet ist
Sind mehr als sechs Monate vergangen, muss die Serie nach der RKI-FAQ nicht neu begonnen werden. Die fehlende zweite Dosis wird so bald wie möglich nachgeholt. Ein Neustart mit erneut zwei Dosen ist nicht vorgesehen.
Ein versehentlich zu kurzer Abstand ist anders zu beurteilen. Wurde Dosis zwei vor Ablauf von zwei Monaten gegeben und bestand kein ärztlich begründetes verkürztes Schema, prüft die Praxis, ob und wann eine Dosis wiederholt werden muss.
Ist eine Auffrischung vorgesehen?
Nach zwei korrekt dokumentierten Dosen empfiehlt die STIKO derzeit keine routinemäßige Auffrischung. Für den optimalen Zeitpunkt einer Wiederholungsimpfung fehlen noch ausreichende Daten.
Das ist keine Aussage über ein schnelles Nachlassen. Bei immungesunden Erwachsenen hält die beobachtete Schutzwirkung mindestens zehn Jahre an; die weitere Langzeitbeobachtung läuft.
Soll man sich mit 80 Jahren noch impfen lassen?
Ja, die Standardempfehlung ab 60 umfasst auch Menschen mit 80 oder darüber. Gerade im hohen Alter nehmen Zoster und lang anhaltende Nervenschmerzen zu. Fehlende frühere Impfdosen können nachgeholt werden.
Bei akuter schwerer Erkrankung wird der Termin verschoben. Gebrechlichkeit, mehrere Medikamente oder chronische Erkrankungen verlangen eine sorgfältige Planung, stellen aber für sich allein keine Gegenanzeige dar.
Impfung nach einer durchgemachten Gürtelrose
Eine frühere Gürtelrose schützt nicht sicher vor einem erneuten Ausbruch. Auch danach kann geimpft werden. Der Impfstoff dient nicht zur Behandlung der akuten Erkrankung.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt, erst nach vollständigem Abklingen und in der Regel mit sechs bis zwölf Monaten Abstand zu impfen. Bei besonderem Risiko kann die Praxis den Zeitpunkt individuell festlegen. (infektionsschutz.de, 2026).
Muss eine frühere Windpockeninfektion nachgewiesen werden?
Vor der Standardimpfung ab 60 ist normalerweise weder eine Erinnerung an Windpocken noch ein Antikörpertest erforderlich. Fast alle in Deutschland aufgewachsenen Erwachsenen dieser Altersgruppe hatten die Infektion.
Vor geplanter Immunsuppression oder Organtransplantation kann eine Varizellen-Serologie nötig sein. Fällt sie negativ aus, wird statt der Zoster-Impfung geprüft, ob eine Windpockenimpfung angezeigt ist. (G-BA Schutzimpfungs-Richtlinie, 2026).
Nebenwirkungen der Gürtelrose-Impfung bei Senioren
Der Impfstoff löst vergleichsweise häufig spürbare Reaktionen aus. Das ist bei der Terminplanung relevant, besonders wenn am Folgetag körperlich anstrengende Aufgaben oder eine Reise anstehen.

Häufige Impfreaktionen
Schmerzen, Rötung und Schwellung am Oberarm sind sehr häufig. Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Frösteln oder Fieber können in den ersten drei Tagen hinzukommen. Etwa jede zehnte geimpfte Person ist dadurch kurzzeitig in ihren üblichen Aktivitäten eingeschränkt.
Meist klingen die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen ab. Ausruhen und ausreichend trinken sind oft genug; die Wahl eines Schmerz- oder Fiebermittels sollte bei Nieren-, Leber-, Magen- oder Gerinnungsproblemen mit Praxis oder Apotheke abgestimmt werden.
Seltene schwere Reaktionen
Eine schwere allergische Reaktion ist selten und beginnt meist kurz nach der Impfung. Atemnot, Schwellung von Gesicht oder Hals, Kreislaufprobleme oder ein rasch ausbreitender Ausschlag sind Notfallzeichen.
Die STIKO beschreibt ein möglicherweise geringfügig erhöhtes Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom von etwa drei zusätzlichen Fällen pro einer Million verabreichter Dosen. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht abschließend geklärt. Neu aufsteigende Schwäche, ausgeprägtes Kribbeln oder Lähmungserscheinungen brauchen sofortige ärztliche Abklärung.
Wann sollte man keine Gürtelrose-Impfung machen?
Eine bekannte schwere Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil oder eine allergische Reaktion auf die erste Dosis ist eine Gegenanzeige. Bei einer akuten schweren Erkrankung mit Fieber wird die Impfung verschoben.
Fieber, akute Erkrankung und Allergie
Ein leichter Infekt ohne Fieber verlangt meist keinen neuen Termin. Hohes Fieber, deutliche Verschlechterung oder eine akute Gürtelrose sprechen dagegen fürs Warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Allergien gegen Lebensmittel, Pollen oder Antibiotika sind nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Entscheidend sind die konkreten Impfstoffbestandteile und frühere Impfreaktionen. (EMA Fachinformation Shingrix, 2026).
Immunsuppression ist kein pauschaler Ausschlussgrund
Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, kann er grundsätzlich auch unter Immunsuppression eingesetzt werden. Die Immunantwort kann während intensiver Behandlung geringer sein. Wenn planbar, wird die Serie möglichst vor Beginn einer stark immunsuppressiven Therapie abgeschlossen.
Bei krankheits- oder therapiebedingter Immundefizienz kann Dosis zwei bereits nach ein bis zwei Monaten folgen. Medikamente werden für eine Impfung nicht eigenmächtig pausiert.
Zusammen mit Grippe-, COVID-19- oder Pneumokokken-Impfung
Mehrere Impfungen können an einem Termin möglich sein. Für Shingrix liegen Daten zur gleichzeitigen Gabe mit bestimmten Grippe-, COVID-19-, Pneumokokken- und Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Impfstoffen vor.
Verschiedene Impfstoffe, verschiedene Arme
Bei gleichzeitiger Gabe werden die Impfstoffe an unterschiedlichen Gliedmaßen verabreicht. Welche Kombination zur konkreten Grippe- oder Pneumokokken-Impfung passt, richtet sich nach den verwendeten Produkten und der aktuellen Empfehlung.
Getrennte Termine können sinnvoll sein, wenn Impfreaktionen besser zugeordnet werden sollen oder mehrere starke Reaktionen in der Vorgeschichte bekannt sind. Der Schutz wird durch ein solches planvolles Aufteilen nicht grundsätzlich aufgehoben.
Kosten, Impfpass und Terminvorbereitung
Für gesetzlich Versicherte gehört die zweimalige Impfung ab 60 zum Leistungsanspruch. Seit Februar 2026 umfasst die Schutzimpfungs-Richtlinie auch die erweiterte Indikationsimpfung ab 18 bei Immundefizienz oder schwerer chronischer Erkrankung. Bei privater Versicherung gelten Vertrag und Tarif.
Die Praxis sollte beide Dosen mit Datum, Impfstoff und Charge dokumentieren. Fehlt der Impfpass, kann eine Ersatzbescheinigung ausgestellt und später übertragen werden.
Was zum Termin mitkommt
Hilfreich sind Impfpass, Medikamentenliste und Angaben zu früherer Gürtelrose, Allergien sowie Reaktionen auf Impfungen. Bei immunsuppressiver Therapie gehört auch der geplante Behandlungszeitraum dazu.
Wer schon eine Dosis erhalten hat, bringt die Dokumentation des Datums mit. Der zweite Termin hängt davon ab, nicht von einer Erinnerung an die Stärke der ersten Impfreaktion.
Schützt die Gürtelrose-Impfung vor Demenz?
Neuere Beobachtungs- und quasi-experimentelle Studien fanden nach einer Zoster-Impfung weniger Demenzdiagnosen. In einem natürlichen Experiment aus Wales war die Wahrscheinlichkeit einer neuen Diagnose über sieben Jahre relativ um etwa 20 Prozent geringer. Untersucht wurde dort überwiegend ein älterer Lebendimpfstoff. (Nature, 2025).
Auch für den rekombinanten Impfstoff gibt es günstige Beobachtungssignale. Solche Daten belegen noch nicht, dass Shingrix Demenz verhindert; Restverzerrungen und Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Gruppen bleiben möglich. Die zugelassene Anwendung und die STIKO-Empfehlung beziehen sich auf Gürtelrose und postherpetische Neuralgie, nicht auf eine Demenzprävention.
Fazit
Die Gürtelrose-Impfung ist für alle Menschen ab 60 empfohlen, ohne obere Altersgrenze. Zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten bilden die vollständige Serie; eine Auffrischung ist derzeit nicht vorgesehen. Häufige Reaktionen am Arm und vorübergehende Allgemeinbeschwerden klingen meist rasch ab. Bei Immunsuppression, schwerer Grunderkrankung, früherer Gürtelrose oder geplanten weiteren Impfungen wird der Zeitpunkt individuell abgestimmt.
FAQ
Wie oft wird die Gürtelrose-Impfung bei Senioren gegeben?
Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Dosen. Im Regelfall liegen zwei bis sechs Monate dazwischen. Eine routinemäßige Auffrischung nach der abgeschlossenen Serie empfiehlt die STIKO derzeit nicht.
Wie lange dauern Nebenwirkungen nach der Gürtelrose-Impfung?
Schmerzen am Arm, Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen beginnen meist am Impftag oder kurz danach. Sie klingen häufig innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Starke, zunehmende oder ungewöhnlich lange Beschwerden werden ärztlich abgeklärt.
Wann darf man sich nicht gegen Gürtelrose impfen lassen?
Bei schwerer Allergie gegen einen Bestandteil oder einer allergischen Reaktion auf Dosis eins darf nicht weitergeimpft werden. Eine akute schwere fieberhafte Erkrankung führt meist zu einer Verschiebung; ein leichter Infekt ohne Fieber gewöhnlich nicht.
Kann die Gürtelrose-Impfung den Blutdruck erhöhen?
Ein dauerhafter Bluthochdruck gehört nicht zu den typischen Impfreaktionen. Fieber, Schmerzen oder Aufregung können einen Messwert vorübergehend verändern. Bei sehr hohen Werten, Brustschmerz, Atemnot oder neurologischen Beschwerden ist rasche medizinische Hilfe nötig.
Wer bezahlt die Gürtelrose-Impfung?
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die STIKO-Standardimpfung ab 60 und die in der Schutzimpfungs-Richtlinie genannten Indikationsimpfungen ab 18. Privat Versicherte klären die Erstattung anhand ihres Tarifs.
