ERNÄHRUNG · LAKRITZE · BLUTDRUCK

Lakritze gesund? Der Check

Lakritze gesund? Sie bleibt eine Süßigkeit. Glycyrrhizin kann bei regelmäßigem Verzehr Blutdruck und Kaliumhaushalt beeinflussen – besonders bei Vorerkrankungen.

Lakritze gesund: Süßholzwurzel, Lakritz und Titel im Faktencheck

Lakritze gesund: die kurze Antwort

Lakritze kann eine Süßigkeit sein, aber kein verlässliches Gesundheitsmittel. Ihr typischer Geschmack stammt aus Süßholz; der darin enthaltene Stoff Glycyrrhizin kann bei regelmäßigem Verzehr den Mineralstoffhaushalt verändern. Der BfR-Überblick nennt einen möglichen Anstieg des Blutdrucks, Wassereinlagerungen und Muskelschwäche. Wie viel Glycyrrhizin eine konkrete Packung pro Portion liefert, steht meist nicht darauf.

Ein gelegentliches Stück ist etwas anderes als eine große Tüte jeden Tag. Für Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder in der Schwangerschaft ist die Ungewissheit wichtiger als eine vermeintliche Gesundheitswirkung. Auch ohne diese Faktoren spricht wenig dafür, Lakritze gezielt wegen der Gesundheit zu essen. Wer den Geschmack mag, sollte Häufigkeit, Packungsgröße und weitere Süßholzquellen im Blick behalten.

Was in Lakritze steckt

Lakritze entsteht aus Süßholzextrakt und weiteren Zutaten, die je nach Produkt stark variieren. Glycyrrhizin trägt wesentlich zur Süße und zum charakteristischen Geschmack bei. Zucker, Stärke, Sirup, Aromen und bei manchen Sorten Ammoniumchlorid kommen hinzu. Eine schwarze Farbe verrät weder die Glycyrrhizinmenge noch den Zuckergehalt. Die Zutatenliste beantwortet die Frage, ob Süßholz enthalten ist, aber oft nicht, wie viel des wirksamen Stoffes in einem einzelnen Bonbon steckt.

Deshalb sollte eine Packung nicht wie ein standardisiertes Arzneimittel betrachtet werden. Zwei Sorten mit ähnlichem Geschmack können sich erheblich unterscheiden. Dass Süßholzwurzel in bestimmten pflanzlichen Zubereitungen traditionell genutzt wurde, macht aus der Zuckerware keine Behandlung gegen Husten, Magenprobleme oder Entzündungen. Für eine solche Behauptung müsste der Nutzen genau für das verzehrte Produkt und die betreffende Erkrankung belegt sein.

Warum Glycyrrhizin den Blutdruck verändern kann

Glycyrrhizin wird im Körper zu wirksamen Stoffen umgebaut. Diese können die Wirkung von Cortisol in der Niere verändern. Der Körper hält dann mehr Natrium und Wasser zurück und scheidet mehr Kalium aus. Der Blutdruck kann steigen; ein ausgeprägter Kaliummangel kann Schwäche oder Herzrhythmusstörungen begünstigen. Das ist eine biologische Erklärung, keine Vorhersage für jede Person nach einem Stück Lakritze.

In einer randomisierten Crossover-Studie aßen 28 gesunde junge Erwachsene über jeweils zwei Wochen entweder ein Produkt mit täglich 100 Milligramm Glycyrrhizinsäure oder ein Kontrollprodukt ohne Lakritze. Während der Lakritzphase stieg der zu Hause gemessene systolische Blutdruck im Mittel um 3,1 mmHg, während er in der Kontrollphase leicht sank. Die Studie war klein, kurz und nicht verblindet. Sie zeigt einen plausiblen Effekt unter genau diesen Bedingungen, aber nicht, was bei jeder Süßigkeit oder über Jahre geschieht. Eine spätere Übersicht über acht randomisierte Studien mit 541 Teilnehmenden fand im Mittel ebenfalls höhere Blutdruckwerte bei glycyrrhizinhaltigen Interventionen; die Produkte und untersuchten Personen unterschieden sich.

Lakritze gesund: Süßholzwurzeln neben Lakritzbonbons

Was die 100-Milligramm-Angabe bedeutet

Das BfR empfiehlt, die Aufnahme von Glycyrrhizin auf weniger als 100 Milligramm pro Tag zu beschränken. Diese Stoffmenge lässt sich nicht einfach in eine allgemeingültige Anzahl von Lakritzschnecken umrechnen: Der Glycyrrhizingehalt variiert, und die Verpackung nennt ihn gewöhnlich nicht. Die Zahl ist auch keine Garantie, dass 100 Milligramm für jede Person folgenlos wären; gerade die kleine Crossover-Studie beobachtete bei dieser Tagesmenge einen Blutdruckanstieg.

Entscheidend ist das Muster über Tage und Wochen. Eine große Portion an einem Festtag ist nicht gleichbedeutend mit täglicher Gewohnheit, aber auch kein Grund für eine absichtliche Hochdosis. Wer regelmäßig mehrere Produkte mit Süßholz isst oder trinkt, kann die Aufnahme unterschätzen. Bei Blutdruckproblemen ist es sinnvoller, den Konsum zu verringern und wiederholt korrekt zu messen, als nach einer vermeintlich „sicheren“ Grammzahl zu suchen. Der GutVital-Ratgeber zum Blutdruck erklärt die Einordnung von Messwerten und gut belegte Maßnahmen.

Für wen besondere Vorsicht sinnvoll ist

Das BfR rät Schwangeren sowie Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, auf den ständigen Verzehr größerer Mengen zu verzichten. Die Schwangerschaftsinformation des BfR begründet die Vorsicht mit möglichen Veränderungen des Mineralstoffhaushalts. Beobachtungsdaten zur späteren Entwicklung von Kindern beweisen dagegen keinen ursächlichen Schaden durch eine bestimmte Portion Lakritze. Vorsicht ist hier eine vernünftige Entscheidung unter Unsicherheit, keine Behauptung über eine sichere Schadensschwelle.

Auch Nierenprobleme, ein schon niedriger Kaliumwert oder schwer einstellbarer Blutdruck verdienen ärztliche Einordnung. Ein einzelnes Stück rechtfertigt keine Panik. Wer jedoch oft Lakritze isst und gleichzeitig neue Wassereinlagerungen, Muskelschwäche oder ungewöhnliche Blutdruckwerte bemerkt, sollte die Gewohnheit und mögliche andere Ursachen in der Praxis ansprechen. Das gilt erst recht, wenn Beschwerden deutlich zunehmen.

Lakritze und Medikamente

Einige harntreibende Arzneimittel, darunter bestimmte Diuretika gegen Bluthochdruck oder Herzprobleme, können ebenfalls die Kaliumausscheidung erhöhen. Die Verbraucherzentrale zu Arzneimitteln und Essen weist deshalb auf das zusätzliche Risiko bei regelmäßigem Lakritzverzehr hin. Welche Kombination relevant ist, hängt vom konkreten Medikament, der Dosis, der Nierenfunktion und vorhandenen Blutwerten ab.

Auch wenn der Blutdruck trotz Behandlung unerwartet hoch bleibt, sollte der tatsächliche Lakritz- und Süßholzkonsum auf die Medikamentenliste. Setzen Sie verordnete Mittel nicht eigenständig ab und verwenden Sie Lakritze nicht, um niedrigen Blutdruck zu „behandeln“. Eine Apotheke oder Praxis kann anhand der Packungen prüfen, ob ein Medikament oder ein Nahrungsergänzungsmittel zusätzliche Aufmerksamkeit braucht. Unser lokaler Lakritz-Packungscheck hilft, die relevanten Fragen dafür zu sammeln; er bewertet keine individuelle Wechselwirkung.

Lakritze gesund: Lakritz neben einem Blutdruckmessgerät

Salzlakritz und Salmiak sind ein eigener Punkt

Salzlakritz enthält häufig Ammoniumchlorid, auch Salmiak genannt. Das ist nicht dasselbe wie Glycyrrhizin. Hohe Salmiakmengen können nach der Bewertung des BfR ebenfalls gesundheitliche Probleme verursachen, darunter Störungen des Säure-Basen- und Ionenhaushalts. Besonders starke Produkte tragen in Deutschland Hinweise wie „Erwachsenenlakritz – kein Kinderlakritz“. Diese Kennzeichnung sollte ernst genommen und die Ware nicht als gewöhnliche Kinder-Süßigkeit weitergegeben werden.

Salzig im Geschmack heißt nicht automatisch, dass eine genaue Menge erkennbar ist. Ebenso macht der Verzicht auf Salmiak ein Süßholzprodukt nicht glycyrrhizinfrei. Wer zwei Risiken verstehen will, muss die Zutaten und die Warnhinweise getrennt lesen. Das ist auch der Grund, warum eine pauschale Empfehlung für alle „schwarzen Bonbons“ nicht verlässlich wäre.

Packung und Gewohnheit zusammen prüfen
Die lokale Checkliste sammelt Sorte, Warnhinweise und Fragen zu Medikamenten, ohne eine sichere Verzehrmenge zu berechnen.
Lakritz-Packungscheck öffnen

Packungshinweise richtig lesen

Suchen Sie zunächst in der Zutatenliste nach Süßholz, Süßholzextrakt oder Lakritze. Der Hinweis „enthält Süßholz“ kann zusätzlich erscheinen. Bei bestimmten höheren Glycyrrhizinsäurekonzentrationen ist laut EU-Kennzeichnungsregel ein Warnhinweis für Menschen mit hohem Blutdruck vorgeschrieben. Ein fehlender Warnsatz beweist jedoch nicht, dass ein Produkt für beliebig große tägliche Mengen geeignet ist. Er verrät auch keinen exakten Glycyrrhizinwert pro Stück.

Die Portionsgröße auf der Packung ist eine praktische Orientierung für die Süßigkeit, aber keine medizinisch geprüfte Dosis. Ein Blick auf die Gesamtmenge in der Tüte verhindert, dass aus „nur ein paar Stück“ unbemerkt eine größere Portion wird. Wer sehr oft dieselbe Sorte isst, kann den Hersteller nach konkreteren Angaben fragen. Solange die Stoffmenge unbekannt bleibt, ist eine genaue persönliche Grenzrechnung unredlich.

Zuckerfrei heißt nicht risikofrei

Zuckerfreie Lakritze kann für Menschen, die Zucker reduzieren möchten, interessant erscheinen. Der Austausch von Zucker gegen Süßungsmittel sagt aber zunächst nichts über den Süßholzextrakt und damit über Glycyrrhizin. Manche Zuckeraustauschstoffe können in größeren Mengen zudem abführend wirken; ob und wie stark, hängt von Produkt und Portionsgröße ab. Wer nach einer Tüte Durchfall hat, sollte daher nicht automatisch Glycyrrhizin als Ursache annehmen.

Umgekehrt kann eine klassische Süßigkeit viel Zucker enthalten, ohne besonders viel Glycyrrhizin zu liefern. Für eine Entscheidung zählen beide Angaben getrennt: Zutaten und Nährwerttabelle für Zucker oder Zuckeraustauschstoffe, Süßholz- und Warnhinweise für die besondere Lakritzfrage. Weder „natürlich“ noch „zuckerfrei“ ist ein Gesundheitsprädikat. Eine abwechslungsreiche Ernährung gewinnt durch tägliches Naschen dieser Sorte keinen nachgewiesenen Vorteil.

Lakritze gesund: zwei Schalen mit verschiedenen Lakritzsorten

Tee, Bonbons und andere Süßholzquellen

Süßholz kann auch in Kräutertees, Pastillen und pflanzlichen Zubereitungen vorkommen. Ein Getränk ist nicht automatisch schwächer als ein Bonbon; Aufgussmenge, Mischung und Verzehrshäufigkeit unterscheiden sich. Wenn auf einem Tee ein Süßholzhinweis steht, gehört er zum Gesamtbild. Besonders wer mehrere solcher Produkte täglich kombiniert, sollte nicht jede Quelle einzeln als „kleine Menge“ abtun.

Die Frage nach einer Wirkung auf die Leber oder nach Fettverbrennung beantwortet das nicht: Lakritze ist weder ein belegtes Mittel zum Abnehmen noch eine Methode, die Leber zu „reinigen“. Süßholzpräparate und Süßigkeiten unterscheiden sich zudem in Zusammensetzung und Zweck. Wer ein pflanzliches Arzneimittel erwägt, sollte die dazugehörige Fachinformation und mögliche Wechselwirkungen prüfen, statt die Ergebnisse einer Bonbonstudie darauf zu übertragen.

Wenn Beschwerden nach viel Lakritze auftreten

Wassereinlagerungen, auffallende Muskelschwäche, Herzstolpern oder wiederholt hohe Blutdruckwerte nach regelmäßigem größerem Lakritzverzehr sollten medizinisch besprochen werden. Eine Untersuchung kann Blutdruck, Kalium, Nierenfunktion, Arzneimittel und andere Ursachen zusammen betrachten. Die Beschwerden sind nicht spezifisch für Lakritze; eine Selbstdiagnose anhand einer Suchliste wäre unzuverlässig. Nehmen Sie bei der Rücksprache die Packung und Angaben zur ungefähren Menge und Dauer mit.

Bei starken Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder neuen neurologischen Ausfällen gilt in Deutschland der Notruf 112. Wer sich nur über eine einmalige Portion sorgt und beschwerdefrei ist, braucht dagegen nicht allein wegen des Geschmacks eine Notfallbehandlung. Eine vernünftige Reaktion auf Unsicherheit ist, die regelmäßige Gewohnheit zu überprüfen und bei vorhandenen Risiken fachlich nachzufragen.

Eine alltagstaugliche Entscheidung

Wer Lakritze gern isst und keine besonderen Risikofaktoren hat, kann sie als gelegentliche Süßigkeit betrachten. Große tägliche Portionen sind keine gute Strategie, vor allem weil sich die Glycyrrhizinmenge nicht einfach aus dem Gewicht der Tüte ableiten lässt. Mit Bluthochdruck, bestimmten Medikamenten oder in der Schwangerschaft ist Zurückhaltung besonders sinnvoll. Die Ernährungsübersicht von GutVital bietet weitere alltagstaugliche Themen, ohne einzelnen Lebensmitteln eine Heilwirkung zuzuschreiben.

Für eine gezielte Rückfrage sind vier Angaben nützlich: genaue Sorte, Zutaten oder Warnhinweise, wie häufig und wie viel davon gegessen wird, und welche Medikamente oder Erkrankungen vorliegen. Unser Packungscheck sammelt diese Punkte lokal im Browser. Er rechnet keine sichere Lakritzmenge aus, weil die dafür erforderliche Glycyrrhizinangabe gewöhnlich fehlt. Diese Grenze macht das Werkzeug ehrlicher als eine scheinbar präzise Ampel.

Lakritz-Packungscheck öffnen

Fazit

Lakritze ist ein Genussmittel, kein Gesundheitsprodukt. Glycyrrhizin kann bei regelmäßigem Verzehr Blutdruck und Kaliumhaushalt beeinflussen; eine kleine randomisierte Studie fand selbst bei täglich 100 Milligramm Glycyrrhizinsäure einen messbaren durchschnittlichen Blutdruckanstieg. Daraus lässt sich keine universelle Stückzahl ableiten. Salmiak und Zucker sind zusätzliche, getrennt zu betrachtende Produktmerkmale.

Wer nur gelegentlich nascht, muss aus einem Stück keinen Krankheitsfall machen. Bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, Herz- oder Nierenproblemen und kaliumsenkenden Arzneimitteln lohnt sich besondere Zurückhaltung und bei regelmäßigem Konsum eine konkrete Rücksprache. Verordnete Behandlungen sollten unverändert bleiben, bis Fachleute etwas anderes empfehlen.

Häufige Fragen zu Lakritze

Wie viel Lakritze darf man pro Tag essen?

Es gibt keine seriöse allgemeine Stückzahl. Das BfR empfiehlt unter 100 Milligramm Glycyrrhizin täglich, doch der Gehalt einzelner Süßigkeiten ist meist unbekannt. Die Angabe ist keine persönliche Sicherheitsgarantie und rechtfertigt keine tägliche Zielportion.

Kann Lakritze den Blutdruck erhöhen?

Ja, bei regelmäßigem glycyrrhizinhaltigem Verzehr ist das möglich. Eine kleine randomisierte Studie und eine Übersicht über weitere Studien fanden im Durchschnitt höhere Werte. Wie stark eine einzelne Person reagiert, lässt sich daraus nicht vorhersagen.

Ist zuckerfreie Lakritze gesünder?

Sie kann weniger Zucker liefern, aber immer noch Glycyrrhizin enthalten. Manche Zuckeraustauschstoffe wirken in größeren Mengen abführend. Zutaten, Nährwerte und Warnhinweise gehören getrennt geprüft.

Ist Lakritze in der Schwangerschaft erlaubt?

Das BfR rät Schwangeren vorsorglich, auf regelmäßige größere Mengen zu verzichten. Eine einmalige kleine Portion ist nicht gleichbedeutend mit einem nachgewiesenen Schaden. Individuelle Fragen gehören in die betreuende Praxis.

Was ist der Unterschied zwischen Lakritze und Salmiaklakritz?

Salmiaklakritz enthält zusätzlich Ammoniumchlorid. Dessen Risiken sind von denen des Süßholzstoffes Glycyrrhizin zu unterscheiden. Starke Produkte mit Erwachsenenwarnung gehören nicht in Kinderhände.

Kann Lakritze beim Abnehmen helfen?

Eine verlässliche Fettverbrennung oder Gewichtsabnahme durch Lakritze ist nicht belegt. Auch zuckerfreie Sorten bleiben keine Abnehmtherapie; bei größeren Mengen können sie andere Beschwerden verursachen.

Wann sollte ich nach viel Lakritze Hilfe suchen?

Bei wiederholt hohem Blutdruck, Muskelschwäche, Wassereinlagerungen oder Herzstolpern sollten Sie die Gewohnheit und die Medikamente ärztlich prüfen lassen. Bei Brustschmerz, Atemnot, Ohnmacht oder neuen neurologischen Ausfällen rufen Sie 112.

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